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Ein Weihnachtskommentar von Othmar Crepaz

Freitag, 09. Dezember 2011

Wohl kaum ein alter Brauch hat unter dem Tourismus mehr gelitten als das ehemals besinnliche Weihnachtsfest. Und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Am ehesten geht noch der Advent als die „staade Zeit“ durch, wenngleich auch hier durch die Vorverlegung der touristischen Wintersaison schon ab Nikolo/Maria Empfängnis längst der Kommerz eingeläutet wurde und „Openings“ aller Art die Menschen aus der Besinnlichkeit reißen. Wann bleibt da noch Zeit zum Kekse backen? Es fehlt nicht viel, und die Osterhasen in den Kaufhausregalen werden nahtlos durch Nikoläuse und Weihnachtsutensilien ersetzt.

Viele kennen echtes weihnachtliches Brauchtum nur mehr vom Hörensagen – jetzt ist die Hütte ja hoffentlich voller Gäste, die Tische biegen sich vor kulinarischen Köstlichkeiten, die übers Jahr vernachlässigte Zuwendung für Kinder wird durch reichliche Geschenke kompensiert, die Zeit ist knapp, ja vielerorts herrscht Stress pur. Das Gegenteil dessen, was überliefert ist: Eine Nudelsuppe mit Würstl war kulinarischer Höhepunkt, und mit der Rauchpfanne wurden Wohnräume und Ställe „geräuchert“, also mit Weihrauch durchflutet. Ein Paar von Mutter gestrickte Socken waren auch schon alles, was den Gabentisch bedeckte. Der Christbaum kostete nicht 30 Euro sondern war im Wald „gefladert“, die Weihnachtslieder erklangen ohne Playback aus dem Radio, ebenso das Weihnachtsevangelium. Und selbstverständlich durfte auch der mitternächtliche Gang zur Christmette nicht fehlen.

Volle Gästebetten und Gäste, die natürlich umsorgt sein wollen, lassen heute kaum noch Zeit für Besinnlichkeit und alte Bräuche. So mancher verschwendet kaum noch einen Gedanken daran, dass wir eigentlich Christi Geburt, also das Gedenken an die Ankunft des Erlösers, feiern. Die Gabentische biegen sich vielleicht nicht mehr ganz so wie zur Zeit des Wirtschaftswunders, dafür mehren sich soziale Probleme: Auf der einen Seite die Vereinsamung vieler Alleinstehender, auf der anderen Seite artet das vermeintlich friedvolle Weihnachtsfest in gar mancher Familie gerade am Heiligen Abend  in Streit aus. Man ist es nicht mehr gewohnt, dass alle zusammen an einem Tisch sitzen, gemeinsam essen und sich unterhalten.

Der Verlust der Weihnachtsromantik hängt vielleicht auch damit zusammen, dass es nicht mehr die Großfamilie mit vielen Kindern gibt. In der typischen Einkind-Ehe dauert sie gerade noch ein paar Jahre, dann ist das Christkind entzaubert und wird ohnehin immer mehr durch den unsäglichen amerikanischen „Weihnachtsmann“ verdrängt. Hohoho. Unsere multikulturelle Entwicklung tut ein Übriges – in Wiener Kindergärten darf zum Beispiel der Nikolaus nicht mehr kommen, weil das ein Affront gegen nichtkatholische Kinder sei.  Und so ist auch für das christliche Weihnachtsfest kaum eine Rückbesinnung auf frühere Werte wahrscheinlich, eher im Gegenteil. Irgendwann werden die Kruzifixe aus Schulen und öffentlichen Räumen entfernt sein, und damit die Erinnerung an Christi Geburt. Nur der Kommerz rund um das Weihnachtsfest – der wird bleiben.