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„Muss sich erst noch etablieren“
Mittwoch, 14. September 2011
Dass ein „Jazz-Konzert“ im volksmusikalisch geprägten Mittenwald nicht unbedingt auf euphorische Begeisterung bei Einheimischen und Gästen stößt, war zu erwarten. Dass das Publikum bei einer populären und erfolgreichen Jazz-Band wie dem „Mariette Radtke Motion Club Sextett“ jedoch fast ganz ausblieb, verblüffte sogar die Veranstalter. Im Rahmen des „Mittenwalder Musiksommers“ trat die Münchner Jazz-Ikone Mariette Radtke mit ihrer Band nur vor einer überschaubaren Zuhörerschaft im „Postkeller“ auf. Um in Zukunft böse Überraschungen zu vermeiden, will die Tourismusdirektion für das nächste Jahr die Auftritte exotischer Musikrichtungen in kleineren Rahmen veranstalten. Auch die Veranstaltungsorte sollen sorgfältiger ausgesucht werden, um sie dem jeweiligen Musikstil besser anzupassen.

Die sechs Vollblutmusiker der Jazz-Band „Mariette Radtke Motion Club Sextett“ sind europaweit auf Konzerten und Jazz-Events.
Mariette Radtke ist Musikerin mit Leib und Seele. Bereits mit fünf Jahren begann sie Klavier zu spielen, fand schnell ihre Faszination an Stimme und Klang, studierte anschließend Jazz Gesang am Bruckner Konservatorium. 1999 gründete sie die Jazz-Band „Mariette Radtke Motion Club Sextett“. Seither ist sie erfolgreiche Sängerin, Komponistin und Initiatorin von Musikveranstaltungen. Zusammen mit ihren Bandmitgliedern Rich Laughlin (Kornett, Flügelhorn), Berd Hess (Gitarre), Chris Lachotta (Kontrabaß) und Matthias Gmelin (Schlagzeug) gibt sie europaweit Konzerte. Im Rahmen des Mittenwalder Musiksommers wurden die sechs engagierten Vollblutmusiker nun in den Geigenbauort geladen. Das Ergebnis war für die Akteure allerdings enttäuschend: Obwohl es, laut Tourismusbüro, gut beworben war, fanden nur wenige Besucher den Weg in den Postkeller.
„Ich hatte noch keine Erwartungen, wir wollten uns einfach überraschen lassen. Allerdings wussten wir schon vorab, das Mittenwald ein schwieriges Pflaster für ein Jazz-Konzert ist“, so Mariette Radtke im Gespräch. Für das Ausbleiben der Besucher sieht sie allerdings mehrere Faktoren verantwortlich. Hauptgrund schien ihr das unpassende Ambiente: „Der Postkeller ist für ein Konzert dieser Musikrichtung leider etwas ungeeignet.“ so Radtke. „Es fehle an geeignete Locations, wie beispielsweise in Garmisch-Partenkirchen, wo es ein eigenes Jazz-Lokal gibt“, bestätigte auch ein Kenner der Szene. Doch selbst dort sind „die Besucher nur schwer für die Musikrichtung zu begeistern“, weiß auch die stellvertretende Tourismusdirektorin Sabrina Blandau zu berichten. „Jazz ist einfach eine sehr eigene Musikrichtung, die in unserem alpenländischen Raum nicht unbedingt bei jedem Zuhörer gut ankommt“. Dabei verweist sie auf das Desinteresse von „Touristen, welche aus der Stadt kommen, da dort das Angebot an ‚Jazz-Konzerten` zu genüge gedeckt ist. Diese bevorzugen mehr unsere Volksmusik.“ Als Beispiel führte sie den ‚bunten Abend der Volksmusik’ an, welcher sich als wahrer Besuchermagnet entpuppte. Nicht nur Desinteresse, auch das gute Wetter spielte eine Rolle: Im letzten Jahr hatte bereits eine Jazz-Band im Kurpark Puit ein „Open Air“ Konzert gegeben und es „wurde um einiges besser angenommen, da sie an der freien Luft spielten“, so Blandau weiter. „Es war ein lauer Sommerabend und da befanden sich auch die meisten Gäste draußen in den Biergärten“.
Dennoch will man in Sachen exotischen Musikrichtungen die Flinte nicht ins Korn werfen: „Wir wollen den Mittenwalder Musiksommer so bunt und breit gefächert wie möglich anbieten“, so Blandau. „Allerdings muss sich dieser erst noch in Mittenwald etablieren, das geht nicht von heut auf morgen“, weiß auch Mariette Radtke nach dem Konzert zu berichten. Dafür werden die Organisatoren nach Ende des Musiksommers alle Veranstaltungen analysieren, um für kommendes Jahr besser planen zu können. Jazz soll dann „in kleineren Rahmen angeboten werden“. Kenner der Jazz-Szene fordern aber auch eine bessere Auswahl der Veranstaltungsorte. Ein Konzert mit dem Jazz-Sextett ist für kommendes Jahr jedenfalls angedacht.



