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Blasen die „Spielbuam“ zum Abschied?
Freitag, 09. September 2011
Es ist in Mittenwald eine Tradition, welche so alt ist wie das Militär in Deutschland selbst: das sogenannte „Spielbuam“ gehen. Schon während des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 ließen es junge Männer, welche nach ihrer Musterung zum Wehrdienst herangezogen wurden, noch einmal richtig krachen: Mit Musik und Gesang wurde in schneidiger Tracht von Wirtshaus zu Wirtshaus gepilgert.

Schon der Jahrgang 1889 feierte feuchtfröhlich als „Spielbuam“...

... sowie auch der Jahrgang 1897 Fotos: Gasthof Alpenrose

Die letzte Riege der „Spielbuam“, ehe der Wehrdienst abgeschafft wurde: Jahrgang 1992
Seit dem 1. Juli 2011 ist bekanntlich der verpflichtende Präsenzdienst in Deutschland abgeschafft. Der kommende Jahrgang (1993) will diesen Brauch nächstes Jahr dennoch weiterführen. Dies war Anstoß für eine hitzige Debatte in Mittenwald, welche die Frage aufwarf, ob man eine jahrhundertalte Tradition aufleben oder aussterben lassen sollte.
Die meisten Männer werden sich wohl noch heute an das Jahr ihrer Musterung zurückerinnern: Mit Trachtengewand, Leiterwagen samt Bierfass und vielerlei Instrumenten bewaffnet, marschierte man zu Ostermontag, ersten Mai und Pfingstmontag vom Geigenbauort zu Fuß in die Leutascher „Mühle“, zum Gasthof „Wildensee“ und in etliche andere Wirtshäuser in Mittenwald.
Die jeweiligen Jahrgänge organisierten das bunte Treiben bis heute selbstständig. Gesungen wurde dabei das „Spielerlied“, welches oftmals einen Seitenhieb auf die anderen Jahrgänge beinhaltete. Durchschnittlich 30 bis 35 junge Erwachsene feierten die freie Zeit, ehe ihnen der Wehrdienst bei der Bundeswehr bevorstand.
Dabei hat sich das „Spielbuam gehen“ bis heute nicht großartig verändert. Leider gibt es nicht mehr viele überlieferte Quellen, welche auf den Anfang dieser Tradition verweisen. Den Beginn des bunten Treibens dürfte etwa Mitte des 19. Jahrhunderts liegen, als die ersten Musterungen eingeführt wurden. War es damals noch in ganz Deutschland üblich, die Zeit vor dem Präsenzdienst zu feiern, ist Mittenwald heute einer der letzten Ortschaften, welche dieser Tradition nach gehen.
Ein 43er Jahrgang erinnert sich zurück: „Wir waren 1962 die ersten nach dem Zweiten Weltkrieg, die gespielt haben. Leicht war es vorerst nicht, „da wir oft kritisch beäugt wurden. Schließlich war die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg nicht allzu beliebt“.
Nun soll aber Schluss sein damit: „Die Tradition sieht vor, dass nur der ‚spielen’ darf, welcher für die Wehrpflicht gemustert wurde“, lautet es von vielen Traditionsbewussten. Für kommendes Jahr wäre der Jahrgang 1993 an der Reihe. Sie sind nach Abschaffung der Wehrpflicht der erste Jahrgang, der nicht ausrücken dürfte. „Wir wollen diese Tradition aber nicht aussterben lassen“, so ein engagierter 93er.
Schon das Anzweifeln hielten sie für falsch: „Zu Zeiten unserer Eltern wäre es undenkbar gewesen, nicht als ‚Spielbua’ ausrücken zu dürfen. Wir wollen nächstes Jahr sicher diesem Brauch nachgehen“, so ein weiterer Jahrgangskollege. „Wir werden im kommenden Frühjahr eine Versammlung einberufen, an der wir die Details ausmachen werden. Vielleicht ist die Abschaffung des Wehrdienstes sowieso nur eine vorübergehende Erscheinung“.



